Studium
Mein Studium begann ich, nach Abitur (1967) und Wehrdienst, im Sommersemester 1969 an der Universität Düsseldorf. Studienfächer waren Philosophie, Geschichte und Germanistik. Ich hörte u.a. bei den Professoren Alwin Diemer, Wolfgang J. Mommsen, Manfred Windfuhr und Linguistik bei Georg Stötzel und Hans J. Heringer. Einige Zeit war ich studentische Hilfskraft am Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut.
Zum Wintersemester 1970/71 wechselte ich an die Johann Wolfgang Goethe-Universität nach Frankfurt. Ich intensivierte mein Philosophiestudium, befaßte mich mit Soziologie, Sozialpsychologie, Soziolinguistik sowie Neuerer deutscher Literaturwissenschaft und hörte zudem Veranstaltungen der Erziehungswissenschaften. Meine Frankfurter Universitätslehrer waren Karl Heinz Haag, Jürgen Habermas, Max Horkheimer, Alfred Lorenzer, Alexander Mitscherlich, Ulrich Oevermann, Jürgen Ritsert, Alfred Schmidt, Hermann Schweppenhäuser, Norbert Altenhofer, Ralph Rainer Wuthenow, Heinz Joachim Heydorn, Egon Becker, Friedhelm Nyssen, Klaus Mollenhauer und Klaus Doderer, an dessen Institut für Jugendbuchforschung ich späterhin zwischen 1975 und 1986 arbeiten und lehren sollte. Als Studienschwerpunkte kristallisierten sich Philosophie und Literatur der Aufklärung, der Deutsche Idealismus, die materialistische Ästhetik und Literaturtheorie der Kritischen Theorie, Sozialisationsforschung, Geschichts- und Sozialphilo¬sophie, Sprach- und Kommuni¬kations¬theorie und der französische Strukturalismus heraus, sowie Probleme und Theorie der antiautoritären Erziehung und einer emanzipatorischen Pädagogik.
Promotion
Die Erarbeitung meiner Dissertation ermöglichte ein Graduiertenstipendium, das ich von Juni 1973 bis Juni 1975 erhielt. Gegenstand meiner Doktorarbeit ist das Fortwirken der frühen Hegelschen Philosophie in der Theorie von Karl Marx. Im Juni 1975 wurde ich mit der Note "Sehr gut" promoviert. Meine Doktorväter waren Alfred Schmidt (Philosophie) und Jürgen Ritsert (Soziologie), beteiligt waren außerdem Rudolf zur Lippe (Philosophie) und Ralph R. Wuthenow (Neuere deutsche Literaturwissenschaft).
Lehr- und Forschungstätigkeit
Im November 1975 bewarb ich mich um die Stelle eines Wissenschaft¬lichen Mitarbeiters am Institut für Jugendbuchforschung (Fach¬bereich Neuere Philologien). Hier trat ich in die Redaktion des von Klaus Doderer herausgegebenen und der Deutschen Forschungs¬gemeinschaft geförderten "Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur" ein. 1975 hat der erste Band dieses Werkes vorgelegen. Die noch folgenden drei Bände (1977, 1979 und 1982) entstanden sämtlich unter meiner redaktionellen Mitverantwortung.
Nach einer Phase der Einarbeitung in dieses damals für mich neue Gebiet begann ich ab 1977, in der Lehre tätig zu werden und ver¬suchte mich in eigener Forschung. Mein Interesse lag auf der zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur. Ich befaßte mich mit Beurteilungsproblemen, der Darstellung des Nationalsozialismus, der Kinder- und Jugendliteratur der Dritten Welt, den Beziehungen der Kinderliteratur zur Geschichte der Kindheit, Kinder- und Jugend¬literatur als einem Medium der Sozialisation, schließlich der skandinavischen Kinder- und Jugendliteratur (Lagerlöf, Lindgren, Jansson) und den Kinderklassikern Joachim H. Campe, Heinrich Hoffmann, Johanna Spyri, Karl May und Erich Kästner. Außerdem entstanden für das "Lexikon der Kinder- und Jugend¬literatur" zahlreiche Autorenporträts. Mein Redaktionsschwerpunkt waren die Sachartikel, d.h. insbesondere diejenigen, die die Verquickung von Literatur und Medien thematisierten.
In den vergangenen Jahren habe ich mich zunehmend - im Rahmen der Kinder- und Jugendkulturdiskussion - mit der ästhetischen Sensi¬bilität junger Leute und dem Zusammenhang von Jugendliteratur und Jugendprotest befaßt. Weiterhin beschäftigte mich die Geschichte der Kinder- und Jugendliteratur der Weimarer Republik, des Dritten Reiches, der Nach¬kriegs¬zeit, der Adenauerära und die Antiautoritäre Kinderliteratur. Ich bin der Frage nach den Traditionslinien der Kinder- und Jugendliteratur vor und nach 1945 am Beispiel Hans Baumanns nachgegangen. Dazu traten poetologische Fragestellungen und literaturkritische Vorhaben.
Nach Beendigung der Förderung der Arbeit am "Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur" 1982 schied ich aus dem Institut aus. Kurze Zeit war ich per Honorarvertrag dem Beltz-Verlag verbunden und arbeitete zwischenzeitlich in der Redaktion des "Börsenblatt für den deutschen Buchhandel", dem ich bis heute als Autor verbunden bin. In Verbindung mit verschiedenen Buchhändler- und Verlegerverbänden sowie dem Arbeitskreis für Jugendliteratur (München) war ich an der Fortbildung von Lehrern, Buchhändlern und Bibliothekaren beteiligt.
In diese Jahre fallen die Gründung der kinderliterarischen Fachzeitschrift "Fundevogel. Kritisches Kindermedienmagazin" sowie der wissenschaftlichen Schriftenreihe "Jugend und Medien" und die Arbeit an dem Handbuch "Kinder- und Jugend¬medien", des weiteren die Vorbereitungen zu dem Sonderheft "Kinderliteratur in der Bundesrepublik Deutschland" der russischen Fachzeitschrift "Detskaja Literatura" und zu dem Bändchen "Jugend¬literatur in der Bundesrepublik Deutschland". Darin konnte ich gemeinsam mit anderen realisieren, wie dominant inzwischen der Medienverbund ist und inwieweit Kinder- und Jugendliteratur heutzutage gegenüber den elektronischen Medien eine nachgeordnete Rolle spielt.
Mit Hilfe der Stiftung Volkswagenwerk gelang es, ab September 1983 das Forschungsprojekt "Kinder- und Jugendliteratur nach 1945" an das Institut für Jugendbuchforschung zu binden. Von da an bis zum August 1986 war ich wieder Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter. In diesem Vorhaben - einem Teilgebiet des Son¬der¬forschungsbereich "Deutschland nach 1945" - ging es uns darum, keine Literaturgeschichtsschreibung im traditionellen Sinne abzufassen, sondern das institutionelle und organisatorische Umfeld (Verlagswesen, Schmutz- und Schundkampf, Jugendmedienschutz) einzubeziehen und in seinen Rückwirkungen auf die Kinder- und Jugendliteratur der Nachkriegszeit zu beschreiben. Danach war ich dem Institut für Jugendbuchforschung fortgesetzt als Lehrbeauftragter verbunden und unterrichtete zudem an der Fachhochschule Darmstadt Kinder- und Jugendliteratur.
In den Monaten zwischen den unterschiedlichen Forschungsvorhaben habe ich publizistisch gearbeitet ( für: "Börsenblatt für den deutschen Buchhandel", "Grundschule", "Kinder, Bücher, Medien", insbesondere aber "Fundevogel. Kritisches Kindermedien-Magazin", das 1986 mit dem "Alfred Kerr Preis für Literaturkritik" ausgezeichnet worden ist und 1989 durch einen Projektzuschuß des Deutschen Literaturfonds gefördert wurde). Seit 1987 schreibe ich regelmäßig Kinderbuchkritiken für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Auf Honorarbasis habe ich für den Weinheimer Beltz Verlag und den Frankfurter Dipa Verlag als Lektor und Redakteur gewirkt. In all den Jahren war ich darüber hinaus als Juror bei verschie¬denen Kinder- und Jugendliteraturpreisen aktiv: Deutscher Jugend¬literaturpreis, Silberne Feder. Kinderbuchpreis des Deutschen Ärztinnenbundes, Das Rote Tuch - Jugend¬medienpreis der SPD Charlottenburg, Die besten 7 veranstaltet vom Deutschlandfunk und. Focus,
Am 1.5.1988 begann ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter (ABM-Vertrag) in dem auf ein Jahr ausgelegten biobibliographisch-historischen Forschungsprojekt "Jahrhundertfeier 1848 - 1948" des Frankfurter Vereins zur Erforschung der Geistesgeschichte nach Hitler 1945-1950.
Professur
Seit dem 1.3. 1990 lehre ich im Rahmen einer Professurvertretung (C2) an der Fachhochschule Köln Sprach- und Literaturpädagogik (Schwerpunkte: Kinder- und Jugendliteratur sowie Lesen und Medien, sowie Alphabetisierung). Hier habe ich immer wieder Lehrveranstaltungen zu Problemen der Rezeption abgehalten und begonnen, mich intensiv mit Fragen und Möglichkeiten der Alphabetisierung in Industriegesellschaften zu beschäftigen. Bedeutsam war für mich aber auch, Veranstaltungen durchführen zu können zum Erzählen und zu Schreibwerkstätten. In den letzen Jahren trat die Auseinandersetzung mit den Märchen verstärkt in den Vordergrund sowie die Beschäftigung mit der Migrantenliteratur. Seit 1997 bin ich außerdem an einer Neu-Edition der pädagogischen und literarischen Werke Janusz Korczaks beteiligt.
Gemeinsam mit Jürgen Fritz habe ich zuletzt begonnen, mich in die Diskussion um die Computerspiele einzuarbeiten und plane gemeinsam mit Kollegen eine von der DFG unterstützte Forschungsgruppe zu diesem Thema. Zudem engagiere ich mich im Themenbereich Sprachförderung von Migranten und baue hierzu gerade eine kleine Forschergruppe mit Studierenden der Hogeschool Zuyd auf. Ganz aktuell entstehen in Verbindung mit der Kölner Autorin Eva Weissweilerim laufe des kommenden Semesters mehrerer kleine Filme zum Leben und Schreiben von Migrantenschriftstellerinnen und – schriftstellern.
Habilitation
Als Habilitationsschrift verfaßte ich eine Studie zur gegenseitigen Abgrenzung von Kinderliteratur und Pädagogik "Antizipation und Erinnerung. Studien zur Kinderliteratur in pädagogischer Absicht", die ich dem Fachbereich Erziehungs¬wis¬senschaften der J.W. Goethe-Universität als Habili¬tationsschrift vorgelegt habe (Betreuer: Gertrud Beck-Schlegel, Gerhard Iben und Horst Rumpf). Am 14.5.1991 kam mit der öffentlichen Antrittsvorlesung und meiner Ernennung zum Privatdozenten das Habilitationsverfahren zu seinem Abschluß. Seither unterrichte ich - neben meiner Kölner Tätigkeit - an der Frankfurter Universität im Bereich der Lehrerausbildung am Institut für Schulpädagogik und die Didaktik der Elementar- und Primarstufe. (Prüfungsberechtigung in Allgemeiner Grundschuldidaktik und Deutsch);
1998 wurde ich von der hessischen Wissenschaftsministerin zum apl. Professur an der J.W. Goetehe-Universität ernannt.